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Wie antisemitisch ist Deutschland? Eine Veranstaltung der DIG Heilbronn
25 Juni @ 19:00 - 21:00
Sehr geehrte Damen und Herren,
bei den republikweiten Gedenkveranstaltungen, die alljährlich anlässlich der Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November stattfinden, wird seit Jahrzehnten das „Nie wieder!“ durchaus glaubhaft artikuliert. Eigentlich müsste somit davon ausgegangen werden können, dass das Phänomen des Antisemitismus allmählich verschwindet.
Das Gegenteil ist der Fall. Die Statistiken der Sicherheitsbehörden, der Innenministerien und Landesämter für Verfassungsschutz sprechen eine andere Sprache und sie lügen nicht. Der Antisemitismus weitet sich aus, nistet sich ein in kulturellen, religiösen und administrativen Strukturen. Innergesellschaftliche Phänomene werden diesbezüglich von globalen Entwicklungen kontextualisiert und intensiviert. Wo können Juden und Jüdinnen sich noch sicher – nicht fühlen – w i s s e n: Wenn sie durch das Tragen von Kippot, durch die Observanz ihrer Hohen Feiertage, durch die Heiligung des Shabbat oder auch nur durch die von ihnen öffentlich gesprochene Sprache a l s Juden oder als Bürgerinnen oder Bürger des Staates Israel identifiziert werden?
Analoge Widersprüche lassen sich international beobachten. Nach dem seit der Shoa fürchterlichsten Pogrom am 7. Oktober 2023 im Südwesten Israels, ausgeführt durch die Terrororganisation Hamas und ab dem 8. Oktober 2023, als sich die Terromiliz Hizbollah durch unprovozierte Angriffe auf den Norden Israels am offenen Krieg gegen den jüdischen Staat beteiligte, hätte an sich davon ausgegangen werden können, dass ein Ruck durch „die Welt“ ginge und antiisraelische sowie antijüdische Umtriebe ein für allemal robust geächtet und abgestellt würden.
Das Gegenteil war der Fall. Bereits ab dem 9. Oktober 2023 fanden weltweit – noch v o r Beginn größerer israelischer Verteidigungsmaßnahmen – offenkundig von langer Hand vorbereitete und orchestrierte Kundgebungen und Kampagnen gegen den Staat Israel statt, die dem sich verteidigenden jüdischen Staat genozidale Intentionen unterstellten. Aktuell sind wir mit der Situation konfrontiert, dass – nach dem höchst fragwürdigen Deal der US-Administration mit der Teheraner Theokratie – der attackierte und sich verteidigende Staat Israel als e i g e n t l i c h e s Problem des Mittleren Ostens dargestellt wird (obwohl Israel in keiner Weise in die Verhandlungen zwischen DC und Teheran eingebunden war). Dass die rechtsextremistischen Mitglieder des Kabinetts Netanjahu in diesem Kontext Öl ins Feuer gießen, ist bekannt. Die Wahlen zur Knesset im Herbst eröffnen allerdings neue, konstruktive Perpektiven.
Unsere Veranstaltung wird versuchen, sich offenkundig vollziehende Täter-Opfer-Umkehrungen kritisch zu analysieren und auf ihre kulturellen, historischen und aktuellen Hintergründe hin zu befragen. Gleichzeitig soll der Blick nach vorne gerichtet werden: Wo sind Hoffnungspotentiale identifizierbar – selbstverständliche Sicherheit für unsere jüdischen Communities, Entmachtung toxischer antisemitischer Milieus, Wiederherstellung eines friedlichen und auf Koexistenz hin bedachten Diskurses zur Konfliktlage im Mittleren Osten?
Es ist uns gelungen, Herrn Philipp Peyman-Engel, Chefredakteur der renommierten Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“, als hochkarätigen und sachkundigen Gesprächspartner zu gewinnen. In seinen Büchern und Essays begibt Peyman-Engel sich auf die Straßen von Neukölln und begleitet den Bundespräsidenten nach Israel, schreibt über die Verlogenheit der deutschen Debatten und erzählt von seiner Jugend als Sohn einer iranischen Jüdin in Nordrhein-Westfalen. Sein Werk ist auch eine Abrechnung mit denen, die Israel anklagen, aber den Terror der Hamas relativieren.
Philipp Peyman-Engel lebt seit 2012 in Berlin. Nach seinem Studium der Philosophie, Literatur- und Medienpraxis arbeitete er zunächst als freier Autor für „Cicero“, „Focus“ und zahlreiche Tageszeitungen, begann dann als Volontär bei der „Jüdischen Allgemeinen“, leitete später deren Feuilleton, war Chef vom Dienst des Blattes, bis er 2024 zu dessen Chefredakteur berufen wurde. Er wurde im Jahr 2023 vom „Medium-Magazin“ als „Chefredakteur des Jahres“ ausgezeichnet, erhielt 2024 den renommierten Ricarda Huch-Preis für Essayistik und nahm 2026 für die „Jüdische Allgemeine“ den Tacheles-Preis entgegen. Eines seiner Bücher ( „Was darf Israel? Ein Streit“, 2025) darf in Ägypten nicht verkauft werden. Bereits 2024 erschien „Deutsche Lebenslügen – Der Antisemitismus, wieder und immer noch“.
Die „Neue Züricher Zeitung“ (NZZ) hielt in einem Porträt über Engel fest: „Engel äußert sich pointiert und meinungsstark, wenn er auf die Standpunkte deutscher Juden aufmerksam macht. Ob Judenhass von links, rechts oder von Migranten: Der Chefredakteur der ‚Jüdischen Allgemeinen‘ nimmt kein Blatt vor den Mund“.
Am 25. Juni diskutieren wir mit Philipp Peyman-Engel in der Weinvilla. Sie sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.
